Interview mit Klaus Oppitz

Nach der nicht gerade sehr aufmunternden aber dennoch sehr unterhaltsamen Lektüre von Klaus Oppitz zweitem dystopischen österreichischen Roman, konnten wir den erfolgreichen Satiriker zu einem Interview überreden, was gar nicht so schwer war. Die passenden Fragen zu finden, um ihn aus der Reserve zu locken, ist uns dafür gar nicht so leicht gefallen.

 

 

Lieber Klaus, nach Auswandertag spielt auch dein zweiter Roman Landuntergang in einem von Rechtsradikalen regierten Österreich. Inwieweit hat die Realität die Satire eingeholt?

 

Zum Teil sehr deutlich. Das erste Buch der Serie, Auswandertag, habe ich ja bereits 2013 geschrieben, erschienen ist es 2014. Darin ging es um Flucht und Asyl und gleich einige der Episoden aus dem Buch sind Realität geworden, etwa der tragische Fall jener Flüchtlinge, die im August 2015 bei Parndorf in einem LKW erstickt sind. Etwas ganz ähnliches passiert Familie Putschek im Roman, auch wenn sie das Glück hat, zu überleben.

Der Grund ist nicht, dass ich hellsehen kann, ich habe nur einfach gründlich recherchiert und vieles wird dabei einfach naheliegend. Tatsächlich hat mich schon 2013 der Migrationsbeauftragte des Österreichischen Roten Kreuzes darauf hingewiesen, dass spätestens 2015 sehr viele Flüchtlinge nach Europa kommen würden. Als beinahe die gesamte Europäische Politik dann vorgegeben hat, davon vollkommen überrascht worden zu sein, war das blanke Heuchelei.

Ähnlich verhält es sich mit Rechtsextremismus, oder meinetwegen Rechtspopulismus. Das Personal, das jetzt in Österreich an der Macht ist, gibt’s ja nicht erst seit gestern, ebenso wenig die rassistischen und rechtsextremen Codes, die in der Welt von Landuntergang längst in den alltäglichen Sprachgebrauch übergegangen sind. Nichtwissen ist auch da keine Ausrede.

 

Wann und wie bis du überhaupt auf die Idee gekommen, Österreich satirisch in eine Diktatur zu verwandeln?

 

Eine Diktatur kann ja überall stattfinden, wo die Demokratie – die bestmögliche aber auch anfälligste Staatsform – versagt. Insofern sehe ich das gar nicht so sehr als österreichische Geschichten. Ich fand´s einfach ein interessantes Konzept, große, globale Themen an diesem kleinen Land abzuhandeln. In Wahrheit ist das ein Blick in den Zerrspiegel. In Auswandertag werden die Österreicher selbst zu Asylwerbern, in Landuntergang wird ja auch der Konflikt al-Assad gegen den sogenannten Islamischen Staat behandelt, der im Buch dann halt zu einer Christlichen Republik wird. Radikalisieren kann man sich ja in jeder Religion und im Endeffekt geht’s dort wie da um Schurken, die sich gegen Schurken stellen - und um die vielen kleinen Leute, die auf die eine oder andere Art zwischen die Fronten geraten. Dass das mit Protagonisten aus unserem Kulturkreis erzählt wird, macht´s einfach zugänglich.

 

Als Autor von Theaterstücken und für die Sendung Wir sind Kaiser zählst Du sicherlich zu den kreativen Vielschreibern, wie unterscheidet sich Deine Arbeitsweise beim Romanschreiben von jener in TV und Theater?

 

Erst einmal ist ein Roman ein Roman. Während im Fernsehen oder am Theater das Endergebnis aufgrund des Textes erarbeitet wird, noch einmal interpretiert wird, steht der Text bei einem Buch zwischen den beiden Deckeln fest, muss also für sich funktionieren und dem Leser die richtigen Bilder und Zusammenhänge vermitteln. Bei „Wir sind Kaiser“ gibt’s hingegen Sitzungen, in denen man sagen kann: „Du, pass auf, das soll so wirken...“

Rein inhaltlich gibt’s natürlich starke Überschneidungen. Die Welt unseres geliebten Kaisers ist ja genauso ein Paralleluniversum wie die Welt von Landuntergang. In beiden Welten werden Themen satirisch zerlegt, indem sie aus einem ganz eigenen Blickwinkel betrachtet werden.

 

Verfolgt man Deine Internet-Persönlichkeit erkennt man hinter dem Satiriker schnell einen politisch sehr interessierten Menschen. Möchtest Du etwas zur aktuellen politischen Situation in Österreich sagen, oder hast Du Angst potenzielle LeserInnen zu verschrecken?

 

Oder womöglich sogar neugierig zu machen. Zur aktuellen politischen Situation im Land habe ich mehr als einen Zustand. Einerseits denke ich mir: viele Leute wollten das offenbar so, also soll es jetzt eben für eine Zeit so sein. Wenn jetzt viele jammern, dass ihr soziales Sicherheitsnetz dünner zu werden droht, muss ich Herrn Kurz und Herrn Strache ausnahmsweise in Schutz nehmen. Die haben ja vieles davon schon im Wahlkampf angekündigt. Wer außerdem die Wahlprogramme gelesen hat, kann davon jetzt wohl kaum überrascht sein.

Das möchte ich aber nicht mit Fatalismus verwechselt wissen. Dort, wo wirklich eine Gefahr für ein friedliches Zusammenleben entsteht, muss man natürlich aufpassen. Da ist dann leider wieder die oft verspottete Zivilgesellschaft gefragt. Wenn etwa die Rede davon ist, Geflüchtete sozial zu diskriminieren oder sogar bewusst nicht zu integrieren, ist das brandgefährlich. Dadurch entstehen Parallelgesellschaften, die hochgradig anfällig für Radikalisierung sind. Ebenso muss jemand den Menschen helfen, die, wenn´s tatsächlich so kommen sollte, kaum noch Geld zum Existieren haben, weil sie vielleicht zu alt für den Arbeitsmarkt oder durch Krankheit eingeschränkt sind. Dass es zu den Grundaufgaben eines Staates gehört, sicherzustellen, dass alle seine Bürger in Würde leben können, darüber sollten wir eigentlich nicht diskutieren müssen. Leider kann ich mir aber vorstellen, dass der Ausspruch „der Staat sind wir alle“ noch einen äußerst zynischen Beigeschmack bekommen könnte.

Eine definitive Grenze ist für mich dort, wo die Demokratie Schaden nimmt und Kurskorrekturen später nur noch schwer möglich sind. Dass etwa die Ausbreitung schlagender Burschenschafter in Österreichs Ministerien im gesamten westlich geprägten Europa sehr genau beobachtet wird, ist durchaus berechtigt.

 

In Deinem Theaterstück In Urlaub, das mit Reinhard Nowak und Rudi Roubinek im Wiener Rabenhoftheater aufgeführt wurde, geht es um zwei rivalisierende Thailandurlauber. Bist Du selbst potenter Thailandurlauber, oder fährst Du lieber mit Deiner Frau auf Urlaub (nach Thailand?).

 

Ha, ha. Nein, ich fahre sehr gerne und vorwiegend mit meiner Frau fort. In Urlaub war ja ein Team-Projekt nach einer Idee von Reinhard Nowak, der tatsächlich glühender Thailand-Fan ist – dort allerdings auch mit seiner Frau urlaubt. Da Reini ein sehr genauer Beobachter ist und über ein großartiges Gespür für skurrile Situationen verfügt, hat er natürlich viele Geschichten mitgebracht. Das bedeutet aber nicht, dass er sie alle persönlich erlebt hat.

 

Für Dein neuestes Buch Lösungen sind nicht die Antwort hast Du die schönsten Wortmeldungen aus der Politlandschaft zusammengeschrieben. War es schwierig damit ein Buch zu füllen oder hätte es auch ein Mehrteiler werden können?

 

Mein erster Reflex, als der Residenz Verlag angefragt hat, ob ich sowas machen will, war tatsächlich: uff, werde ich da wirklich genug skurrile Zitate finden? Ich meine, Politiker sind ja kluge Leute, sagen die überhaupt so viel Blödsinn? Am Schluss musste ich dann ordentlich aussieben, um nicht jeden Rahmen zu sprengen.

Wobei viele Stilblüten auch einfach dadurch entstehen, WIE Politiker kommunizieren. Wenn das Ziel in einem ZIB-Interview ist, kritischen Fragen auszuweichen und lieber die Top 3 der eigenen Wunschthemen an die Zuschauer zu bringen, ist bereits vorprogrammiert, dass dabei oft zusammenhangloser Unsinn herauskommt.

In der politischen Kommunikation wäre wirklich einiges zu verbessern.

Aber ja, ein zweiter Teil ginge sich aus. Vorerst plane ich aber, zusammen mit Michael Nikbakhsh, Ressortchef Wirtschaft des Wochenmagazins PROFIL, daraus ein Kabarettprogramm zu machen.

 

Was sind Deine nächsten Projekte? Kommt ein dritter vom rechten Österreich oder wird es Zeit für eine linke Utopie in Romanform – mit ein paar Einhörnern vielleicht, die verkaufen sich gut?

 

Ach, bei mir würde sich dann ja doch früher oder später wieder die Frage stellen, welches Einhorn am Ende überlebt.

Sagen wir´s so: nachdem die ersten beiden Bücher offenbar sehr gerne gelesen werden und mich die Österreichische Bundesregierung und ihr Umfeld beinahe täglich mit neuen Skurrilitäten erfreuen, wäre es fast gemein, ihre Anstrengungen nicht entsprechend zu würdigen. In meinem Kopf ist das ohnehin als Trilogie angelegt. Ich spiele zumindest gerade mit einer weiteren Geschichte herum.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Hier geht´s zu seinen Büchern