Literaturagent Günther Wildner mit einem seiner "besten Pferde im Stall" Johann "Hans" Allacher

Fotografin: Mimi Pötz

 

Oft sind die besten Geschichten ausgerechnet jene, an die man sich nicht mehr erinnern kann.

Mit seinem zweiten Kriminalroman „Der Knochentandler“ konnte uns Johann Allacher vollkommen überzeugen. Sein erster Band ist auf unserer Leseliste ganz weit nach vorne gerückt. Wir haben dem gebürtigen Wiener ein paar Fragen geschickt und wissen jetzt: Der nächste Allacher kommt bestimmt!

 

Lieber Johann, du hast eigentlich Rechtswissenschaft studiert, dich dann aber doch anders entschieden. Was hat dich zu dieser Entscheidung bewogen?

Mein Studium hat sich sehr lange und mit zunehmend nachlassendem Erfolg hingezogen. In der Welt der Anzug- und Krawattenträger hab ich mich nie richtig wohl gefühlt. Fasziniert hat mich lediglich das Spiel mit der Sprache bei der Auslegung von Gesetzestexten. Für diese Liebe zum geschriebenen Wort habe ich spät - aber doch - ein weitaus passenderes Betätigungsfeld für mich gefunden.

 

Wann hast du dich entschieden Autor zu werden?

Nach Beendigung meiner langjährigen Tätigkeit als selbstständiger Unternehmer habe ich mich plötzlich einem Übermaß an freier Zeit gegenüber gesehen. Da sich nicht sofort ein neuer Job ergeben hat, musste dringend etwas her, damit mir die Decke nicht auf den Kopf fällt. Wenn man so will, ist meine Tätigkeit als Schriftsteller einer spontanen Schnapsidee während erstmaliger Arbeitslosigkeit entsprungen.

 

In Österreich ist es nicht einfach, seinen Lebensunterhalt als Schriftsteller zu verdienen. Geht sich das bei dir schon aus oder hast du einen Brotjob?

Um rein vom Schreiben leben zu können, braucht es Verkaufszahlen in Bestsellerregionen. Das gelingt aber nur den wenigsten. Mein erstes Buch "Der Watschenmann" ist 2016 erschienen, meine Karriere als Autor noch jung. Zu früh, um über eine hauptberufliche Tätigkeit als Schriftsteller nachzudenken. Ich bleibe meinem Arbeitgeber, einem öffentlich-rechtlichen Dienstleistungsunternehmen, somit noch länger als Kundenberater erhalten.

 

Wann schreibst du am liebsten und wie viel Zeit investierst du in deine kreative Arbeit?

Ich verfasse meine Texte gern früh morgens am Schreibtisch, während Zug- oder U-Bahn-Fahrten, und in willkürlich ausgesuchten Cafés, in denen mich niemand kennt. Die Gedanken drehen sich jedoch auch außerhalb der Schreibzeiten vielfach um Figuren, Handlungsabläufe und originelle Wendungen. Da ich darüber hinaus auch als Musiker und Songtexter aktiv bin, bedarf es nicht nur eines guten Zeitmanagements, sondern auch einer besonders verständnisvollen Frau an meiner Seite.

 

Warum hast du dir das hart umkämpfte Krimigenre ausgesucht?

Eine gute Erzählung lebt davon, dass der Adressat wissen will, wie sie ausgeht. Das gilt für's Gschichtl am Stammtisch genauso wie für die Handlung eines Buches. Die auf Spannung bedachte Konstruktion eines Kriminalromans bietet dem Schriftsteller einen idealen Rahmen, um seine Gedanken transportieren zu können. Egal ob Humorvolles, Historisches, Wissenschaftliches, Gesellschaftskritisches, Philosophisches, Politisches oder zutiefst Persönliches - In einem Krimi lassen sich Inhalte so verpacken, dass sie auch gelesen werden. Und das will schließlich jeder Autor.

 

Der Knochentandler“ ist dein zweiter Roman mit Erik „Erki“ Neubauer, dem ewigen Studenten. Hast du für diesen außergewöhnlichen Charakter ein reales Vorbild gehabt? Vielleicht dich selbst?

Um halbwegs glaubwürdig schreiben zu können, muss man meines Erachtens nicht nur auf Orte und Stimmungen zurückgreifen, die einem vertraut sind, sondern auch bei den handelnden Figuren ein Stück von sich selbst mit hinein verpacken. Das Personal meiner Krimis ist dem realen Leben jener Teile von Ostösterreich entlehnt, in denen ich aufgewachsen bin und lebe. Die agierenden Personen spiegeln sowohl vergangene als auch aktuelle Eindrücke wider. Ich übernehme Menschen aber niemals eins zu eins. Auch nicht mich. Vieles wird durch Fiktion ergänzt. Gut ist ein Text vermutlich ohnehin nur dann, wenn Leserin und Leser Teile von sich selbst in den handelnden Figuren entdecken können.

 

Im Knochentandler wacht Erik noch relativ betrunken neben einem Totenkopf auf, was war dein unangenehmstes Aufwachen bisher?

Oft sind die besten Geschichten ausgerechnet jene, an die man sich nicht mehr erinnern kann. Ich denke, hier schlummert in so manchem Kopf unwiederbringlich verloren gegangenes Material für großartige Romane. Leider auch bei mir.

 

Dein Schreibstil ist sehr humorvoll, bist du privat auch ein lustiger Mensch?

Um über Mord und Totschlag schreiben zu können braucht man entweder viel Humor oder einen guten Psychiater.

 

Wird es ein Wiedersehen mit Erik geben?

Das Manuskript für einen dritten Kriminalroman mit Erik "Erki" Neubauer steht kurz vor der Fertigstellung. Das Buch wird im Frühjahr 2020 im Emons-Verlag erscheinen.

 

Toll! Kannst du uns verraten um was es im nächsten Buch gehen wird?

Sex & Drugs & Rock'n'Roll - und das mitten im beschaulichen Wien.

Bummelstudent "Erki" Neubauer jobbt als Ferialpraktikant im Archiv eines lokalen Radiosenders. Als er den Song einer vergessenen Wiener Band der Siebzigerjahre zu neuem Leben erweckt, brechen jahrzehntelang verdrängte Konflikte wieder auf. Im Bestreben, mehr zur Bandgeschichte zu erfahren, sticht Erki in ein Wespennest aus alten Rivalitäten, Hass und Eifersucht. Er wird Zeuge eines Mordes und gerät schließlich selbst zwischen die Fronten.

Passend zum Grundthema der Geschichte hab ich einen Song geschrieben, den ich mit befreundeten Musikern demnächst einspielen möchte. Die Aufnahme soll dann gemeinsam mit dem Buch erscheinen.

 

Jetzt noch unsere sauschwere Buchteufel-Frage: Nenne uns deine drei Lieblingsbücher.

Da ich mir ohnehin nie merke, welche Bücher ich schon alle in meinem Leben verschlungen habe, erkläre ich immer die drei Werke, die ich gerade lese, zu meinen Lieblingsbüchern. Zurzeit sind das "Wien Pop" von Walter Gröbchen, Thomas Miessgang, Florian Obkircher und Gerhard Stöger; "White Tears" von Hari Kunzru; und die Gregg Allman Biographie "My Cross To Bear".

Alle drei Titel haben mit meinem nächsten Wien-Krimi zu tun, der nicht nur sehr humorvoll, sondern auch außergewöhnlich musikalisch werden wird.

 

 

Vielen Dank für das Interview.