Interview mit Florian Scheuba

 

Als Mitglied der Hektiker und Staatskünstler hat sich Florian Scheuba einen Namen als Kabarettist gemacht. Als Schreiber satirischer und stets aufklärerischer Kolumnen, lebt er seine Leidenschaft. Wir haben mit ihm über sein Buch „Schrödingers Ente – Warum eine Lüge keine Meinung ist“ gesprochen.

 

Herr Scheuba, vom Kabarettisten zum Kolumnisten ist es im Grunde kein sehr weiter Weg. Wann und warum haben Sie beschlossen ihn zu gehen?

 

Weil mich Standard-Herausgeber Oscar Bronner 2011 gefragt hat, ob ich das regelmäßig machen will. Ich habe davor schon immer wieder für Standard, Falter, A la Carte und Falstaff geschrieben. Es ist für mich eine reizvolle Aufgabe, mich mit dem Zeitgeschehen zu beschäftigen.

 

In Ihren Kolumnen schaffen Sie es, politische Vorgänge ans Tageslicht zu zerren, die viele lieber im Dunkeln wissen würden. Wie kommen Sie zu Ihren Informationen?

 

Ich bin glücklicherweise privat mit ein paar der besten Investigativ-Journalisten dieses Landes befreundet. Und manche Informationen recherchiere ich auch selbst.

 

Ihr Werkzeug ist die Satire und dennoch sind Ihre Themen im Grunde sehr ernst und betreffen uns alle. Wie wichtig ist Ihnen der Humor in Ihrer Arbeit?

 

Humor ist manchmal eine Form von Notwehr. Worüber wir lachen können, davor fürchten wir uns weniger.

 

Sie haben sich mit Ihren Texten sicher nicht nur Freunde gemacht. Haben Sie bereits Drohungen und Anfeindungen erhalten?

 

Ab und zu. Der verantwortungslose Umgang mit sozialen Medien begünstigt manchmal Entgleisungen.

 

Wie gehen Sie damit um?

 

Es ist nicht erfreulich, aber es motiviert mich auch.

 

In ihrem Buch kritisieren Sie die Betrachtung der Realität als gesellschaftliche Konstruktion. Welche Probleme verursacht diese Sichtweise Ihrer Meinung nach? Was haben Fake News damit zu tun?

 

Wenn wir nicht mehr zwischen mehr oder weniger wahr unterscheiden, gefährden wir das Projekt der Aufklärung. Eine Lüge ist keine Meinung.

 

Wenn Sie jemandem, der Österreich nicht kennt, die politische Lage des Landes mit wenigen Sätzen beschreiben müssten, was würden Sie sagen?

 

Die aktuelle Befindlichkeit ist allgemeine Aufgescheuchtheit. Das Ibiza-Video hat bewiesen, dass die Bedenken bezüglich einer drohenden Orbanisierung des Landes kein übertriebener Alarmismus waren.

 

Wie sehen Ihre nächsten Projekte aus, kommt noch ein Buch, gibt es wieder ein Kabarett?

 

Im Oktober wird es die Premiere unseres neuen „Wir Staatskünstler“-Programmes geben. Titel: „Jetzt erst recht!“

 

Jetzt noch unsere Buchteufel-Frage: Nennen Sie uns bitte Ihre drei aktuellen Lieblingsbücher.

 

Hartmut Rosa: Resonanz

Jan Skudlarek: Wahrheit und Verschwörung

Julian Barnes: Der Lärm der Zeit

 

Vielen Dank für das Interview.

 

Hier geht es zum Buch