Buchteufel-Interview mit David Schalko

 

Das folgende Interview ist uns eine besondere Freude. Mit David Schalko, dem Macher von TV-Hits wie Braunschlag, Sendung ohne Namen oder Altes Geld konnten wir einem der kreativsten Köpfe des Landes ein paar Fragen stellen. Neben seinen zahlreichen Film- und TV-Projekten hat Schalko mit Schwere Knochen kürzlich seinen vierten Roman, bei Kiepenheuer und Witsch, veröffentlicht. Wir haben mit ihm darüber gesprochen.

 

Herr Schalko, gleich zu Beginn eine Frage, die Ihnen sicher schon oft gestellt wurde. Wo nehmen Sie Ihre Ideen her?

 

Naja, wenn es dafür eine Rezeptur gäbe, wäre ich auch dankbar. Aber wie sagte Handke so schön, man erfindet nicht, sondern findet. Schreiben ist ja mehr ein Auskundschaften und dann kartografiert man das, was man am Wegesrand gefunden hat.

 

In ‚Schwere Knochen‘ geht es um vier Freunde, die durch ihren Aufenthalt im KZ von Kleinganoven zu Schwerverbrechern wurden. Welcher Teil der Geschichte wurde von wahren Tatsachen inspiriert?

 

Vieles. Beinahe jede Figur hat auf irgendeine Art und Weise eine Entsprechung in der Realität. Es war mir sehr wichtig, dass man das Unterweltsmilieu der Nachkriegszeit authentisch beschreibt. Und auch deren Aufstieg und Fall. Letztendlich ist es eine Geschichte über Freundschaft, Gier und Einsamkeit. Und natürlich über Liebe. Auch wenn die in dem Milieu beinahe wie Unkraut gesehen wird.

 

Bei Ihrer Beschreibung der österreichischen Nachkriegsgesellschaft könnte man meinen, dass sich die Menschen in einigen Belangen nicht großartig verändert haben. Wie sehen Sie das?

 

Der Mensch an sich bleibt der Mensch. Nur die Umstände ändern sich. Ein wesentliches Leitthema in Schwere Knochen beschäftigt sich daher mit dem Unterschied zwischen Mensch und Tier. Gerade in dieser grausamen Zeit sein sehr relevantes Thema. 

 

Die meisten Autoren haben in ihren Romanen einen Protagonisten, mit dem sie sich besonders stark verbunden fühlen. War das in diesem Fall der riesige Hornbrillenträger Krutzler?

 

Ich fühle mich immer mit allen meinen Figuren verbunden. Ich bewerte sie nicht. Ich versuche sie zu begreifen oder besser empfindbar zu machen. In Schwere Knochen probiere ich, die Protagonisten durch Sprache beinahe körperlich greifbar zu machen. Das Fleisch und die körperliche Existenz an sich spielen eine große Rolle in dem Buch.

 

Planen Sie von ‚Schwere Knochen‘ auch eine Verfilmung?

 

Im Augenblick plane ich gar nichts. Außer einer längeren Pause. Ich lass jetzt mal die Dinge auf mich zukommen.

 

Was sind Ihre nächsten Projekte. Wird es wieder einen Film geben oder schreiben Sie wieder an einem Buch?

 

Das nächste Projekt liegt auf meinem Nachtkästchen. Ungefähr 20 Bücher, die ich lesen will, bevor ich wieder über etwas Neues nachdenke.

 

Jetzt noch eine Frage zur aktuellen Situation in Österreich. Haben Sie durch die neuen politischen Grundvoraussetzungen bereits Einschnitte bei Ihrer Arbeit als Künstler bemerkt oder ist eh alles wie immer? Sie haben sich ja als kritische Stimme schön früher einen Namen gemacht.

 

Im Augenblick ist vor allem ein atmosphärischer Unterschied auszumachen. Als Künstler wird man von der Politik grundsätzlich als Feindbild betrachtet. Besonders die FPÖ generiert sich wie ein cholerischer Opa, der das unartige Kind erziehen muss. Die FPÖ muss noch sehr viel über Demokratie lernen. 

 

Vielen Dank für das Interview. Die Rezension von Schwere Knochen gibt es alsbald auf www.buchteufel.at