Wie ist es uns eigentlich auf der Buchmesse Wien 2017 so ergangen?

Ein Branche unter Druck oder

die Buchteufel-Familie auf der Buchmesse Wien

 

Der Buchhandel kämpft weltweit gegen Windmühlen, dennoch schafft er es bis jetzt immer wieder aufzustehen und sich selbst zu feiern. Ich finde das gut. Meine Familie auch.

 

Die Halle D des Messegelände Wiens stand ganz unter dem Zeichen des geschriebenen Wortes. Aber nicht nur jede Menge lesbare Zeichen hingen buchstäblich über der jährlich stattfindenden Veranstaltung, sondern auch die eigene Verwundbarkeit, als Damoklesschwert im Form der großen Internetbuchhändler und Buchhandlungsketten.

 

Eine verlockende Anfangshürde

Schon beim Eintritt muss man als Messebesucher an den überbordend beladenen Büchertischen des Thalia Messestandes vorbeiziehen. Man kann gar nicht anders, als sich umzusehen. Sich zu überlegen, ob man nicht gleich hier zuschlagen will, sich eine Erweiterung der eigenen Privatbibliothek gönnen möchte. Gut sortiert sind sie ja, die Thalia Filialen mit ihrem riesigen Angebot und ihren überraschend kompetenten Mitarbeitern – ich habe zumindest noch keine schlechte Erfahrung gemacht.

 

Ein schlechter Eindruck

Aber nein, zuerst gehen wir, die Buchteufel-Familie, zwei Erwachsene, zwei Kinder, hinein in das Gewusel bibliophiler Menschen, und jenen die vorgeben es zu sein. Ein Messestand reiht sich an den nächsten, aber nicht alle wirken einladend. Es ist Samstag, der dritte Messetag in Folge und einige Verlagsvertreter sehen müde, desinteressiert und fast unfreundlich aus. Ich betrete Stände, gebe den interessierten Kunden und werde oft nicht einmal bemerkt, geschweige den gefragt, für was ich mich denn interessiere. Stattdessen sitzen manche Messefuzzis gelangweilt an ihren Klapptischen und starren auf ihre Handys. Nicht einmal in Büchern wird geschmökert – der Fluch der modernen Technik verschmutzt auch hier das Klima. Ein Paradoxon.

 

Kampf um Aufmerksamkeit

Das ist die Kehrseite der Buch Wien, aber die größte Buchmesse Österreichs kann auch anders. Hier treffen sich interessierte Menschen, die eines gemeinsam haben: Sie lieben Bücher. Hier sind wir richtig. Wir schieben die wenigen schlechten Beispiele aus unseren Sichtfeldern, den Kinderwagen vor uns her und wandern mit großen Augen und offenen Ohren durch die Gänge. Mit unseren Buchteufel-Logos am Gewand, den Buchteufel-Stoffsackerln und mit tausend Buchteufel-Flyern bewaffnet sind wir wandelnde Litfaßsäulen. Leider ist die Konkurrenz im Wettkampf um Aufmerksamkeit groß, deshalb greifen wir zu einem schamlosen Trick: Wir drücken unseren Kindern, drei und sieben Jahre alt, je einen Stoß Flugzettel in die Hand und hoffen auf den Welpenbonus. Es funktioniert – Kinderarbeit bei Buchteufel. Bitte sagen Sie es nicht weiter! Fast kein Erwachsener kann nein sagen, wenn einem ein Kind mit Flugzettel und großen Augen den Weg versperrt. Und den Kindern macht es großen Spaß. Na immerhin. Besser als Billigklamotten in der Fabrik in Bangladesh nähen.

 

Ein schöne Erfahrung

Wir teilen uns auf. Meine Frau geht mit den Kindern in die eine, ich in die andere Richtung. Ich möchte unser Projekt Buchteufel bei den Verlagen und anwesenden Autorinnen und Autoren bekannter machen, Visitenkarten verteilen und das eine oder andere Rezensionsexemplar abstauben. Auch hier lerne ich wieder beide Seiten der Medaille kennen. An manchen Messeständen kommt sich unerwünscht vor.

„Sie kennen unseren Verlag nicht, das ist aber ein Armutszeugnis“, sagt eine Verlagsvertreterin zu mir. Gut so, denke ich mir, drehe um und gehe weiter. Andere wiederum sind sehr interessiert. Ich treffe einige Menschen, mit denen ich in den letzten Monaten bereits Mailkontakt hatte und ich lerne die Blanvalet und Wannenbuchautorin Claudia Puhlfürst kennen, der das Buchteufel-Projekt sehr gut gefällt. Sie drückt mir auch gleich zwei Bücher in die Hand. Ein wenig später treffe ich den Autor Simon Hadler, der ebenfalls bereits auf Buchteufel zu finden ist. Da freut sich das kleine Leseteufelchen in meinem dicken Körper wie ein Kind vorm Weihnachtsbaum. Voll motiviert schiebe ich mich wieder in die Menge und mache Werbung für mein Herzensprojekt. So macht die Arbeit Spaß, auch wenn ich damit bis jetzt viel mehr Geld ausgegeben als eingenommen habe.

 

Bücher bleiben Bücher bleiben Bücher

Auch wenn die Zeiten für das Buch härter geworden sind. Auch wenn die meisten Menschen wenig oder gar keine Bücher mehr lesen. Das Buch bleibt eines unserer wichtigsten Kulturgüter.

Ich wage zu behautpten: Fernsehen macht dumm und das bald allgegenwärtige Internet ist eine tolle Sache, lässt uns allerdings nur an der Oberfläche kratzen. Wer mehr wissen will, liest ein Buch. Wer Geschichten erleben will, ohne das Haus zu verlassen, ließt ein Buch. Und wer seinen Kindern ein gutes Vorbild sein will, liest so viele Bücher wie möglich. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, es funktioniert. Das mit der Vorbildfunktion.

Der Buchhandel und das Buch an sich, sind nicht so leicht tot zu kriegen. Weder LeserInnen, SchriftstellerInnen, noch VerlegerInnen haben Staub angesetzt. Das beweisen die zahlreichen Aktionen und Bewegungen die uns zum Lesen anregen sollen. Das moderne Marketing ist auch im Buchhandel angekommen, der voll motiviert in den Ring gestiegen ist. Handtuch wirft hier keiner. Aus alt mach neu. So lautet die Devise.

 

Buchteufel im Zwiespalt

Viele von Ihnen werden jetzt zu Recht sagen: Buchteufel verlinkt auf seiner Seite ja selbst zu den großen Onlinebuchhändlern. Wie passt das zusammen?

Ich gebe zu, mit der Situation nicht ganz zufrieden zu sein. Gerne würde ich ausschließlich die kleinen Buchhandlungen und Verlage unterstützen, leider fehlen hierfür oft die Kooperationsangebote. Auch Buchteufel kostet Geld und macht sehr viel Arbeit. Auch wenn es mir große Freude bereitet, so war es bist jetzt ein reines Verlustgeschäft. Bei Amazon und Thalia bekomme ich die Chance an den Verkäufen über unsere Links mitzuverdienen. Es ist nicht viel, aber immerhin. Sobald es regionale, kleinere Buchhandlungen gibt, mit denen ich eine gleichwertige Kooperation eingehen könnte, würde ich das tun. Nichtsdestotrotz liegt es mir am Herzen Bücher aller Genres in Eure Bücherregale zu bekommen – weil ich selbst so gern lese und diese Freude teilen möchte. Wenn es mir nur ums Geld gehen würde, würde ich etwas anderes machen.

 

Vielleicht treffen wir uns nächstes Jahr auf der Buchmesse in Leipzig?

 

Liebe Grüße aus dem Südburgenland, Euer

Ober-Buchteufel Max