Amazon, die böse Krake und der eingebildete Buchhandel

 

Der Riesenonlinehändler Amazon ist die Ausgeburt des Bösen, soviel steht fest – zumindest für die kleinen Buchhändler, die unter dem Internetriesen zu leiden haben. Auch ich finde Riesenkonzerne, die meist ohne Rücksicht auf Verluste anderer Menschen agieren, unsympathisch, das gebe ich zu. Leider musste ich als Betreiber einer Buchtipp-Webseite und vor allem auch als noch unbekannter Autor feststellen, dass viele Buchhändler auch nicht unbedingt die freundlichen Nachbarn von nebenan sind, die für Neuerungen offen sind. Ich finde, man sollte erst mal vor der eigenen Tür kehren. Warum ich das finde, möchte ich euch erklären.

 

Seit ich lesen kann verschlinge ich Bücher aller Art. Ich liebe Romane, Sachbücher und was es sonst noch alles gibt. Bücher hauchen meinen verstaubten Gehirnwindungen Tag für Tag neues Leben ein. Vor ein paar Jahren, genau genommen im Jahr 2012, hatte ich das Glück, zum ersten Mal die Buchtipps für das niederösterreichische Arbeiterkammermagazin Treffpunkt schreiben zu dürfen. Seither habe ich diese Arbeit nicht mehr hergegeben und empfehle zweimonatlich jeweils 5 Bücher in einem Heft, das gratis an 500.000 Adressen geschickt wird. Ich liebe es nicht nur weil ich mir ein paar Euro dazuverdienen kann, sondern auch weil ich nahezu alle Bücher die mich interessieren gratis zugeschickt bekomme. Neben meinen eigenen Buchprojekten ist das mein absoluter Traumberuf. Ein Beruf, der mir allerdings auch ein schlechtes Gewissen einbrachte.

 

Recht schnell bekam ich das Gefühl, die Verlage und Autoren, die mir ihre Leseexemplare zugeschickt haben, zu enttäuschen. Ich konnte bei weitem nicht alle Bücher rezensieren, die ich bekommen habe. Ich habe mir selbst den hohen Anspruch auferlegt, jedes Buch das ich empfehle von vorne bis hinten zu lesen. Die wenigsten Buchrezensenten machen das, soweit ich weiß. Manche Onlineportale lassen überhaupt nur die Leser entscheiden und machen Geld mit Fremd-Content. Das wollte ich nicht. Manche würden mich wahrscheinlich einen unverbesserlichen Idealisten nennen.

 

Im Frühjahr 2017 habe ich mich entschlossen eine eigene Buchplattform auf die Beine zu stellen. Es war viel Arbeit, aber nach rund einem Monat ging buchteufel.at online. Endlich hatte ich die Möglichkeit alle Bücher vorzustellen, die im meinem Postkasten landen oder bereits gelandet waren. Dass ich bei rund 100 Exemplaren im Jahr nicht ganz nachkomme ist eine andere Geschichte.

 

Eine Homepage zu betreiben kostet Geld, von der Zeit, die man in so ein Projekt steckt ganz zu schweigen. Neben dem Lesen habe ich bereits viele hundert Stunden in buchteufel.at investiert ohne auch nur einen einzigen Euro daran zu verdienen. Ganz genau: Null Euro! Ich mache es trotzdem. Schnell habe ich mich mit den Angeboten des Affiliate-Marketings auseinandergesetzt, dessen Grundidee ja ganz einfach ist: Man empfiehlt etwas im Internet und verlinkt dabei zu dem jeweiligen Produkt auf einer Händlerseite, einer Buchhandlung mit Onlineshop zum Beispiel. Folgt jemand diesem Link und bestellt das Produkt, bekommt man einen Teil des Umsatzes. Klingt fair. Ist es auch. Der Onlinehändler freut sich über Umsatz, den er sonst nicht gemacht hätte und der Blogger oder die Bloggerin können ihr Projekt weiter finanzieren. So schön, so gut!

 

Ich begann bei ein paar Buchhandlungen bzw. Verlagen mit Onlineshops anzufragen und wartete neugierig auf Antworten, die nach und nach eintrudelten. Ein paar Unternehmen haben gar nicht geantwortet, was soll‘s. Ich bekam nur Absagen, was mich schließlich dazu bewogen hat, mich mit den Affiliate Programmen von Amazon und Thalia zu vernetzen, die das anscheinend nur allzu gerne anbieten. Meiner Meinung nach verpasst der lokale Buchhandel da eine große Chance, aber das ist seine Sache.

 

Ähnliche Erfahrungen konnte ich auch als Autor machen. Nachdem ich mein erstes Buch fertig hatte, wusste ich nicht was ich machen sollte, um meine Geschichte an die Frau bzw. den Mann zu bringen. Sollte ich mich als Selfpublisher versuchen oder den mühsamen Weg der Verlagssuche beschreiten? Ich bin ein ungeduldiger Mensch und wollte keinesfalls ein Jahr auf die Antwort eines Verlages warten. Ich liebe Schreiben, aber ich hasse Warten! Ich entschied mich dennoch die ersten beiden Kapiteln meines Buches an ein paar Verlage zu schicken und bekam bereits am nächsten Tag die erste Antwort. Der kleine Karina-Verlag hätte mein Werk gerne veröffentlicht. Ich sagte zu und versprach auch selbst tatkräftig bei der Vermarktung mitzuhelfen. Ich war höchst motiviert.

 

Da ich in meinen Jahren als Kabarettist gelernt hatte auf den Bühnen des Landes eine ganz gute, wenn auch rundliche, Figur zu machen, wollte ich mein erstes Unterhaltungsbuch (ich habe vor Jahren bereits ein wissenschaftliches Werk im deutschen Akademiker-Verlag veröffentlicht) bei Lesungen bekannter machen. Ich habe mir das wie immer einfacher vorgestellt, als es ist und ich wurde erneut vom Buchhandel enttäuscht. Wieder habe ich etliche Buchhandlungen angeschrieben. Erzählt wie gerne ich doch eine Lesung in ihren heiligen Hallen halten würde und bis jetzt bekam ich lediglich zwei Zusagen (Lhotzkys Literaturbuffet, Wien & Buchhandlung Buchner, Fürstenfeld - danke), allen anderen Buchhandlungen war ich anscheinend zu unbekannt. Auch den unzähligen Selfpublishern geht es nicht anders – sie werden vom lokalen Buchhandel großteils ignoriert und das ist schade!

 

Auch hier sind es wieder die Großen, speziell Amazon, die auf diesen Trend aufgesprungen sind. Sie geben jungen Autorinnen und Autoren die Chance sich einer größeren Gruppe öffentlich zu präsentieren. Ich habe noch immer das Gefühl, dass der lokale Buchhandel sich aus Trotz weigert seine alten Strukturen aufzubrechen. Amazon buhlt um unbekannte Talente, und macht Angebote die nur schwer abzulehnen sind. Viele junge Schreiber würden sicher gern mit den Buchhandlungen zusammenarbeiten, werden aber gezwungen sich den Großkonzernen zuzuwenden. Auch das ist schade.

 

Wie gerne würde ich mit buchteufel.at in Kooperation mit kleineren Buchhandlungen treten. Aber es klappt einfach nicht.

Wie gerne würde ich durchs Land fahren und in den lokalen Läden lesen und mein Buch präsentieren – ich mache das sogar gratis! Aber es klappt nicht.

Wie gern würde ich mein Buch in den Buchgeschäften auflegen – nicht im letzten Winkel wo es keiner sieht (wenn überhaupt). Aber es klappt nicht.

 

Meine Empfehlung an so manche alteingesessene BuchhändlerInnen: Wer nach oben hin schimpft, sollte im Gegenzug nach unten mal etwas offener werden.

 

 

Liebe Grüße von dem Büchernarren, Schreiberling und Oberbuchteufel

 

Max Neumeyer